Flash Note

Europa: Man soll ein Buch nicht nach seinem Einband beurteilen

von
05.09.2019

Auf den ersten Blick scheint es kaum Anlass für Begeisterung über Europa zu geben. Doch wenn man weiß, wo man zu suchen hat, gibt es durchaus einige Gründe für Optimismus. In diesem Beitrag erörtert Mark Denham, Head of European Equities bei Carmignac, welche Gelegenheiten in Europa bestehen.


Anleger können in Europa aus vielen hervorragenden Unternehmen wählen

- Mark Denham, Head of European Equities

Erfahren Sie mehr über die von Mark Denham verwalteten Fonds:

Carmignac Portfolio Grande Europe

Carmignac Portfolio Patrimoine Europe


« Europa sieht sich mit diversen Herausforderungen konfrontiert, insbesondere mit Diskussionen über den italienischen Haushalt zwischen der italienischen Regierung und der Europäischen Kommission. Das europäische Wirtschaftswachstum ist im Vergleich zu anderen Regionen eher mäßig. Wir verzeichnen hier etwa ein BIP-Wachstum von 1 bis 2%, gegenüber 2 bis 3% oder mehr in den USA und natürlich wesentlich höheren Wachstumsraten in den Schwellenländern. In Europa hebt die steigende Flut also nicht alle Boote. Außerdem stellt natürlich der Brexit eine echte Hürde dar, die es zu überwinden gilt. Da sich die EU aber nun einmal aus über 20 Ländern zusammensetzt, lauert immer irgendein politisches oder makroökonomisches Ereignis an der nächsten Straßenecke. Meiner Meinung nach sollten Anleger in europäischen Aktien stets bedenken, dass sie mit einem Anlagehorizont von drei bis fünf Jahren oder mehr investieren, und dass solche Ereignisse zwangsläufig mit Volatilität verbunden sind. Allerdings sollte man versuchen, diese Ereignisse zu seinem Vorteil zu nutzen, statt sich ihretwegen den Kopf zu zerbrechen.

Letztendlich ist es unser Ziel, in starke Unternehmen zu investieren. Starke Unternehmen werden von solchen Ereignissen nicht allzu sehr erschüttert, und wir sollten negative Volatilität als Kaufgelegenheit ansehen. Unser Investmentfokus gilt stets Unternehmen mit den besten Langzeitaussichten, Unternehmen, die aus eigener Kraft wachsen können und langfristige Wachstumsmöglichkeiten bieten. Um diese Unternehmen zu identifizieren, verfolgen wir einen besonderen Investmentansatz: Wir setzen vor allem auf Unternehmen, die in der Vergangenheit eine hohe nachhaltige Profitabilität ausweisen konnten und auch intern in das künftige Unternehmenswachstum investieren. Daher geht die Einbindung von ESG-Faktoren – also Umwelt, Soziales und Governance – in unseren Investmentansatz für uns Hand in Hand mit diesen äußerst günstigen langfristigen Aussichten. Es ist demnach keine zusätzliche Einschränkung, sondern einfach ein wesentlicher Bestandteil der Unternehmen, nach denen wir Ausschau halten.

Wir sollten keinesfalls aus den Augen verlieren, dass es in Europa zahlreiche hervorragende Unternehmen gibt, denn viele von ihnen sind in ihren jeweiligen Branchen Weltmarktführer. Aus globaler Sicht haben andere Regionen in den letzten Jahren eine stärkere Performance erzielt als europäische Aktien. Hierzu trug vor allem das Aufkommen einiger Tech-Giganten wie Amazon und Facebook in den USA oder Alibaba und Tencent in den Schwellenländern bei … Dank ihnen haben einige ausländische Märkte in den vergangenen Jahren von einer deutlichen Belebung profitiert, wo in den letzten Jahren keine solchen Riesen zu beobachten waren. Doch auch Europa hat meiner Meinung nach einige echte Weltmarktführer in spezifischen Sektoren vorzuweisen. Bei den Luxusgütern heißen die Branchenführer zum Beispiel Hermes, LVMH und Gucci. Auch in Bezug auf erneuerbare Energien steht Europa an der Spitze: Vestas und Siemens GEMESA sind die beiden größten Windenergieanlagenhersteller der Welt. Die Sportbekleidungsunternehmen Puma und Adidas sind auf ihrem Gebiet ebenfalls weltweit führend. Anleger können in Europa also aus vielen hervorragenden Unternehmen wählen. Demnach sollten wir Europa im globalen Kontext nicht so pessimistisch beurteilen, da uns dort einige Weltmarktführer erwarten. Wie ich schon sagte: Wir sollten diese Gelegenheiten nutzen und uns nicht zu sehr davon ablenken lassen, was in anderen Regionen geschieht.“